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INTERVIEW:

 

Intendant Karl-Michael Ebner über die Festivals.

 

"Schubert ruft zuerst, dann der Watzmann"

 

Der junge Franz Schubert steht heuer im Mittelpunkt des Schubert-Festivals in Steyr von 14. April bis 8. Mai. Beim Musikfestival (16. Juli bis 13. August) lockt diesmal das Rustical "Der Watzmann ruft".

 

OÖN: Was war die Idee dahinter, diesmal den jungen Schubert ins Blickfeld zu rücken?

 

Ebner: Bei den internationalen großen Schubert-Festivals präsentiert man immer Schuberts große Werke, wie die As-Dur- oder die Es-Dur-Messe, seine großen Sinfonien, seine Liederzyklen. Davon haben wir heuer komplett Abstand genommen und
präsentieren seine anfänglichen Kompositionen für Streichquartett und auch seine frühen Lieder mit dem Kammersänger Thomas Moser. Es ist uns geglückt, ihn von New York und Wien zu kriegen, das ist auch so eine Freundschaftsbande, die mich mit ihm verbindet. Er wird zum ersten Mal Lieder des Steyrer Komponisten Albin Fries (*1955) singen.

 


OÖN: Eine Hommage an einen Steyrer, oder gibt es noch einen anderen Brückenschlag?

 

Ebner: Schubert hat sich sehr inspirieren lassen von Steyr, er war dort lange Zeit bei seinen Freunden Mayrhofer und Vogl. Vogl war damals ein großer Kammersänger - Hofkammersänger - aus Steyr und hat die frühen Lieder Schuberts gesungen. Thomas Maurer, der heute vergleichbar genauso berühmt ist wie Vogl damals, singt nun ebenfalls die Lieder eines Steyrers. Das ist der Brückenschlag.

 

OÖN: Erstmals findet heuer auch ein Liederwettbewerb statt, von 20. bis 23. April. Wie ist der Wettbewerb ausgerichtet?

Ebner: Der Liederwettbewerb richtet sich auf Schubertlieder, wobei wir gezielt die Interpretation von Liedern in den Vordergrund stellen wollen, die nicht in einem Zyklus wie "Die Winterreise" oder "Die schöne Müllerin" vorkommen.

OÖN: Die Teilnahme ist offen?

 

Ebner: Die Teilnahme ist offen für jeden bis zum 35. Lebensjahr. Sonst hat man so große Professionisten dabei, dass es unfair wäre. Der Wettbewerb richtet sich vor allem an Studenten und Ausübende.

 


OÖN: Im Sommer steht diesmal keine klassische Oper auf dem Programm, sondern mit „Der Watzmann ruft" ein Alpendrama um den Ruf vom bösen Berg und das "Auffi" Müssen?

 

Ebner: Nein, heuer gibt es keine Oper. Wir machen alle drei, vier Jahre eine Pause. Heuer geht es um gelebte Tradition, wie sie jetzt in aller Munde ist, sei es mit dem Dirndlkleid, das ist ja gerade im Revival. Da setzen wir auf Tradition: Was ist das größte österreichische Musical? Das war eigentlich 1972 „Der Watzmann ruft" von Wolfgang Ambros, Joesi Prokopetz und Manfred Tauchen. Somit kamen wir auf diese Idee, und auch, um das ganze Ambiente Leuten zu öffnen, die ein bisschen Angst haben vor der Oper. Um Tore nicht zuzuschlagen, sondern aufzureißen. Es ist ein wunderschöner Rahmen.

 

OÖN: Es hat also keine finanziellen Beweggründe, dass es heuer nur eine Produktion gibt?

 

Ebner: Nein. Es gibt nur Überlegungen, wie man das Ganze noch mehr an das Publikum herantragen kann. Ein Jahr später kommt dann wieder eine Oper, so wie es in der Planung steht.


(Quelle, Beitrag: nachrichten.at, vom 03.03.2011)